BRONZE - Neele mit fantastischer Bestleistung aufs Podest in Europa

Autorin, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, übernommen aus dem Göttinger Tageblatt vom 08./09.03.2020

Dreispringerin Neele Eckhardt hat sich bei bei der Hallen-Europameisterschaft im polnischen Torun die Bronzemedaille gesichert. Mit ihrem Satz auf 14,52 Meter im Finale am Sonntagabend sprang die Athletin der LG Göttingen nicht nur persönliche Bestleistung, sondern knackte auch die Olympianorm für Tokio – gleich um 20 Zentimeter. Ihrem Trainer Frank Reinhardt machte sie das wohl schönste Geschenk zum 64. Geburtstag, den der Göttinger am Sonntag feierte.
Als Viertbeste der Qualifikation war sie in diesen Wettkampf gegangen, für den sich acht Springerinnen qualifiziert hatten. Bereits mit ihrem ersten – und letztlich auch einzigen – Versuch machte sie am Sonnabendmittag ihr erstes Finale bei einer Hallen-Europameisterschaft klar: Eckhardt sprang im Dreisprung-Wettbewerb der Frauen auf 14,12 Meter, verbesserte ihre Saisonbestleistung damit um starke 18 Zentimeter. „14 Meter, großes „Q“ – perfekt gelaufen. 14 Meter waren jetzt schon länger drin. Das muss aber alles erstmal auch klappen, deswegen bin ich jetzt sehr, sehr glücklich“, sagte Eckhardt nach der Qualifikation. Vor dem Wettkampf sei sie erstaunlich ruhig und positiv gestimmt gewesen. Ein Lob hatte sie für die Anlage in Göttingens Partnerstadt Torun. „Die ist top, in der Halle hat man ja oft einen Schwingboden, das ist nicht so meins. Hier gibt es einen Mondo-Belag, das ist super.“
Wie gut sie tatsächlich auf dieser Anlage zurecht kam, bewies Eckhardt dann am Finaltag. Sie startete mit 14,08 Meter im ersten Durchgang, legte im zweiten noch zehn Zentimeter drauf und sprang im dritten dann ihre neue persönliche Bestweite von 14,52 Meter. Bis zum sechsten Versuch lag die LGG-Springerin noch auf Silberkurs. Diese Medaille schnappte ihr die Spanierin Ana Peleteiro noch weg, die ebenfalls 14,52 Meter erreichte, aber mit 14,34 Meter den besseren zweiten Versuch hatte. Europameisterin wurde die Portugiesin Patricia Manona, die mit 14,53 Meter nur einen Zentimeter weiter sprang als ihre beiden Konkurrentinnen auf den Medaillenrängen.

Neele Eckhardt war einfach nur glücklich: Mit dem Gewinn der Dreisprung-Bronzemedaille bei der Hallen-Europameisterschaft im polnischen Torun hat die Athletin der LG Göttingen (LGG) drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: den Podestplatz bei einer internationalen Meisterschaft gesichert, die Olympianorm für Tokio erfüllt und die persönliche Bestleistung gleich einmal um 17 Zentimeter auf 14,52 Meter gesteigert.
Auf der Bus-Rückfahrt von Torun nach Deutschland hatte die 28-Jährige am Montagvormittag Zeit, über den Finaltag zu sprechen. „Ich habe nicht Gold oder Silber verloren, sondern Bronze gewonnen. Mit der Farbe der Medaille hadere ich überhaupt nicht.“ Zwischenzeitlich hatte Eckhardt sogar auf dem zweiten Rang gelegen, doch die Spanierin Ana Peleteiro landete in ihrem letzten Versuch ebenfalls bei 14,52 Meter, hatte allerdings mit 14,34 Metern einen besseren zweiten Versuch vorzuweisen. Sogar zum Sieg hat nicht viel gefehlt. Die Portugiesin Patricia Mamona gewann mit einem Zentimeter Vorsprung und stellte mit 14,53 Metern einen neuen Landesrekord auf. Mit lediglich einem Zentimeter Abstand zwischen der Erstplatzierten und der Drittplatzierten war es somit das engste Dreisprung-Finale der Frauen bei einer Hallen-EM aller Zeiten.
Die Medaille hat für die LGG-Dreispringerin ihren Stellenwert, wichtiger ist für sie jedoch, dass sie zu diesem frühen Zeitpunkt bereits die Olympianorm geknackt hat. „Da ist mir der größte Stein vom Herzen gefallen. Jetzt kann ich fest mit Tokio planen. Das erleichtert die Sommersaison. Und ich bin in der Pandemie nicht gezwungen, zu vielen Wettkämpfen zu reisen, um Punkte für die Weltbestenliste zu sammeln.“ Dass ausgerechnet zum Saisonhöhepunkt alles gepasst hat, hatte seine Gründe. „Vom Physischen vertraue ich da ganz auf die Planung von Frank Reinhardt. Wir arbeiten ja schon sehr lange zusammen und die letzten Tage vor einem Wettkampf laufen trainingstechnisch immer gleich ab. Zudem habe ich die EM mit meinem Mentalcoach vorbereitet. Der trägt auch einen Anteil an diesem Erfolg. Ich war sehr fokussiert und gelassen im Vorfeld“, sagt Eckhardt. Der Abend nach der Siegerehrung verlief für die Medaillengewinnerin relativ unspektakulär. Es folgte ein Treffen mit Dreisprung-Bundestrainer Charles Friedek und der Chef-Bundestrainerin Anett Stein, anschließend gab es ein Abendessen im Hotel „und eine schlaflose Nacht“. Mit ihrem Mann wollte sie nach der Rückkehr nach Hannover „anstoßen und dann gibt es etwas Leckeres zu essen“. Die nächsten trainingsfreien Tage wird Eckhardt bei ihrer Mutter auf dem Land und in der Natur verbringen, „um ein bisschen abzuschalten und dann wieder fokussiert in die Vorbereitung auf den Sommer einzusteigen“. Für Eckhardts Trainer Frank Reinhardt war der Wettkampftag ein besonderer – nämlich sein 64. Geburtstag. „Ich habe mit meiner Frau den Livestream angeschaut. Als Trainer erlebt man es nicht jeden Tag, dass seine Athletin eine Medaille holt.“ Die Weite kam für den Sprungtrainer nicht überraschend: „Sie schlummert schon zwei, drei Jahre in ihr, aber um so weit zu springen, muss auch vieles passen. Vieles spielt sich im Kopf ab. Für eine erfahrene Athletin, wie Neele sie inzwischen ist, ist so eine internationale Meisterschaft genau das richtige Umfeld. Da werden die letzten Prozentpunkte noch freigesetzt.“ Dass seine Athletin die Olympianorm schon jetzt in der Tasche hat, erleichtere die Trainingssteuerung. „Meine gesamte Planung wird nun zwar durcheinander geworfen – allerdings im positiven Sinn“, sagt Reinhardt, der fest damit gerechnet hatte, mit Eckhardt ab dem 1. Mai auf Meeting-Tournee zu gehen, um Ranglisten-Punkte zu sammeln. Das wird er nun mit der LGG-Weitspringerin Merle Homeier machen, die in Torun 6,50 Meter gesprungen ist und nur um wenige Zentimeter den Einzug in den Endkampf verpasst hatte. „Sie hat noch eine hauchdünne Chance, sich für Olympia zu qualifizieren. Als junge Springerin hatte sie einen tollen Auftritt in Torun“, sagt der Trainer über die 21-Jährige.