Im Finale gut aber nicht erfolgreich - Neele verpasst EM-Endkampf

Es hat nicht sollen sein. Der EM-Auftritt von Neele Eckhardt verlief nur in der ersten Phase nach Wunsch. Die Dreispringerin glänzte in der Qualifikation im Berliner Olympiastadion mit der viertbesten Weite aller 29 Starterinnen. Gleich im ersten Durchgang wurden in einem noch gar nicht mal hundertprozentig gelungenen Sprung 14,31 Meter gemessen. Die zweitbeste jemals von Neele erzielte Weite weckte natürlich Hoffnungen auf mehr.
Im Finale am Freitagabend schien somit (fast) alles möglich. Allerdings waren die unterschiedlichen Voraussetzungen offenkundig. Bei der Qualifikation in den späten Vormittagsstunden war das Stadion noch nicht gut besetzt. Dies war eine andere Situation, als vor 45.000 Zuschauern zu springen, die vor allem die eigenen Athleten begeistert anfeuerten. Diese Situation löst häufig den Effekt aus, es nun besonders gut machen zu wollen, vor allem dann, wenn die Erfahrung mit dem ganz großen Publikum noch fehlt. Der erste Sprung im Finale auf 14,01 Meter ohne Brett war nicht schlecht. Wer gedacht hatte, dass es nun richtig losginge, sah sich getäuscht. Der zweite Durchgang war missglückt: nur 13,83 Meter und die Gewissheit, dass 14,01 Meter nicht für den Endkampf reichen würden. Während Neele nicht nur einmal unter Beweis gestellt hatte, in weniger bedeutenden Wettkämpfen mit solchen Situationen sehr gut fertig werden zu können, war der Druck im Olympiastadion zu groß. Der Hopp im dritten Versuch war zu lang, die Stabilität des Sprungs war verloren und Neele brach ihn ab.
Das Potenzial für eine Medaille war sicherlich vorhanden, aber am Ende war es nur der zehnte Platz bei ihrem vierten Auftritt bei großen internationalen Meisterschaften in der Frauenklasse.
Eine große Enttäuschung für die Athletin selbst, nicht aber für den Betrachter. Die Saison 2018 stellte unter Beweis, dass das Ende der Leistungsentwicklung sicherlich noch nicht erreicht ist. Es folgen die Weltmeisterschaften im Herbst kommenden Jahres in Doha, dann im Jahr darauf die Olympischen Spiele in Tokyo: für eine Athletin, die den Zenit ihrer Leistungsentwicklung mit 26 Jahren vermutlich noch vor sich hat, dürften das trotz aller Enttäuschung Anreize genug sein, auf dem bisherigen Weg weiter zu machen und für den Moment zu konstatieren, dass Profisport manchmal unfair, mit Sicherheit immer aber ein Lernprozess ist.