Lisa Jung Mitteldeutsche Hallen-Meisterin im Fünfkampf

Mehrkämpfer haben es schwer in diesen Zeiten. Unter dem Hallendach gibt es weder Landes- noch Norddeutsche Meisterschaften, und die Mehrkampf-DM fällt zum wiederholten Male aus. Entsprechend fühlte sich die LG-Mehrkampf-Spezialistin Lisa Jung um den angedachten - und in den beiden letzten Jahren erfolgreich absolvierten - Höhepunkt der Hallen-Saison gebracht. Es mussten andere Ziele gefunden werden, und sollte mitten aus dem Aufbautraining heraus die Teilnahme an den Mitteldeutschen Hallen-Mehrkampfmeisterschaften in Halle/Saale eine erste Orientierung für bevorstehende Starts in den Einzeldisziplinen sein.

Immerhin waren die Mitteldeutschen "verbandsoffen" ausgeschrieben, und so konnte sich Lisa gleich zu Jahresbeginn mit einem neuen, ungewohnten Titel schmücken: Mitteldeutsche Hallen-Meisterin im Fünfkampf/Frauen mit 3360 Punkten.
9,73s (60m-Hürden) – 1,56m (Hoch) – 10,00m (Kugel) – 5,45m (Weit, Hallen-pB) – 2:29,98min (800m, im Alleingang) zeigen, dass Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer (die sogenannten "Zubringerleistungen") für Anfang Januar bereits sehr gut, deren Umsetzung in den technischen Disziplinen beim ersten Wettkampf seit Anfang September jedoch erwartungsgemäß noch nicht stabil sind. Erstmals traf Lisa auf Hürden-Europameisterin Cindy Roleder (SV Halle), die nach langer Verletzungspause erstmals wieder dabei war, den Mehrkampf aber wie geplant abgebrochen hat. Lisa: "Cindy ist schon großartig und gegen sie zu starten ein besonderes Erlebnis".
Es gab aber auch ein bisschen Essig im Wein des Erfolges: Beim Probestart vor dem Hürdenlauf als erster Teildisziplin ist Lisa umgeknickt. Das war zunächst ein kleines Handicap für den unmittelbar folgenden Lauf, konnte sie jedoch nicht an der weiteren erfolgreichen Teilnahme hindern. Erst die ärztliche Untersuchung in den Tagen danach ergab, dass die Verletzung doch schwerer wiegt – die Hallensaison ist für Lisa bereits beendet, bevor sie richtig begonnen hat.

Vor dem Hintergrund des wiederholten Ausfalls der Hallen-DM Mehrkampf seien an dieser Stelle ein paar grundsätzliche Worte zum Thema Mehrkampf gestattet. Der frisch gewählte DLV-Präsident spricht von der "Leichtathletik als Kulturgut", und man könnte auf die Idee kommen, dass er dabei auch - und vielleicht insbesondere - die Mehrkämpfer meint, die das Laufen-Springen-Werfen wie kaum ein anderer personifizieren und abbilden. Nur leider immer weniger in der Öffentlichkeit. Auch Kulturgut erhält sich nicht von selbst. Es wäre schön, wenn man den Zehnkampf und Siebenkampf als eigenständige Disziplinen statt als mögliches Extra für Spezialisten der Einzeldisziplinen begreifen würde. Die Athlet*innen hätten diese Anerkennung verdient.