Top-Leistungen aber wenig Zuschauer beim Feriensportfest

Premiere gelungen: Genauso einfach und gleichermaßen präzise lautet die Bilanz der veranstaltenden LG Göttingen für das erste Nationale Feriensportfest am vergangenen Sonnabend im Jahnstadion. Die Eignung der leichtathletischen Wettkampfstätten für Sportfeste der gehobeneren Kategorie wurde in den vergangenen zehn Jahren durch mehrere Landesmeisterschaften, Norddeutsche Meisterschaften sowie zwei Deutsche U23-Meisterschaften nicht nur einmal unter Beweis gestellt. So machte sich ein sechsköpfiges Organisationskomitee der LGG im Frühjahr daran, das landesweite Wettkampfvakuum in den Sommerferien mit Inhalt zu füllen. Trainer und Athleten hatten oft genug auf das Defizit hingewiesen.

Wie richtig die Entscheidung war, bewiesen rund 300 Meldungen aus 13 Landesverbänden. Kleine, aber durchaus verkraftbare Wermutstropfen waren die kurzfristige Absage von Eike Onnen, der sich zur physiotherapeutischen Behandlung nach Leverkusen begeben hatte und der verletzungsbedingte Wettkampfabbruch von Speerwerfer Matthias de Zordo nach zwei ungültigen Versuchen. Highlight der Wettkämpfe, zu denen auch NLV-Präsidentin Rita Girschikofsky angereist war, war erwartungsgemäß der Dreisprung, der als erste technische Disziplin vor der Haupttribüne ausgetragen wurde, begleitet von den sachverständigen Kommentierungen durch Reiner Dismer (Garbsen). Stefan Wenzel (SC Potsdam) untermauerte hier seinen derzeitigen Status als Zweiter der DLV-Jahresbestenliste und steigerte sich im letzten Durchgang auf 16,19 Meter. Marcel Kornhardt (ASV Erfurt), aktuell Vierter im DLV, musste wegen einer Verletzung auf einen Start verzichten. So konnte sich Max Pietza (SC Potsdam) mit 15,43 Metern hinter Wenzel einreihen. Genau einen Zentimeter weniger brachte Benjamin Bauer (LAC Chemnitz), momentan sechsbester deutscher Dreispringer, in die Grube. Vincent Vogel (LAC Chemnitz), nationaler Vizemeister in der Halle, kam mit der Anlage im Jahnstadion nicht so gut zurecht und hatte nur einen gültigen Versuch auf 15,08 Meter. Bester Jugendlicher war Edmont Nowitschichin (MTV 49 Holzminden), der mit 14,00 Metern seinen Hausrekord förmlich pulverisierte und sich damit für die Deutschen U18-Meisterschaften in zwei Wochen in eine günstige Position brachte.
Lokalmatadorin Neele Eckhardt (LGG) dominierte den Wettkampf der Frauen auf ihrer Hausanlage in ihrem letzten Auftritt zwei Wochen vor der WM erwartungsgemäß und verzichtete nach einem gelungenen vierten Versuch auf 14,02 Meter auf den letzten Sprung. Lisanne Rieker (LGG) stellte mit 12,95 Metern ihre Jahresbestleistung ein und untermauerte damit den sechsten Platz bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt. Als beste Jugendliche steigerte sich Lea Dörries (SC Potsdam) auf 11,83 Meter und verbesserte sich auf den siebten Rang der deutschen Jahresbestenliste.

In den Sprintdisziplinen sind vor allem die 11,67 Sekunden von Anna-Lena Freese (FTSV Jahn Brinkum) bemerkenswert, mit denen die lange verletzte U23-Vizeeuropameisterin von 2015 die 100 m vor Svea Kittner (Werder Bremen) gewann. Bei den Männern gingen die Siege auf den kurzen Sprintstrecken an Fabian Netzlaff (Werder Bremen) und Alexander Gladitz (Hannover 96), den Deutschen 400-m-Meister des Vorjahres, während Martin Schmalz (LG UnterlüßFaßbergOldendorf) über 400 m dominierte. Sein Vereinskamerad Malte Paschek erreichte über 200 m in der U18 noch auf den letzte Drücker den Zug zur Jugend-DM nach Ulm. Im Speerwurf der Männer gelang Dreispringer Max Pietza mit einer Verbesserung auf 70,25 Meter der Sprung unter die Top-20 des DLV.

Im Weitsprung hatten die Athleten nicht zum ersten Mal Probleme mit der südlichen Anlage. Julian Hey (VfL Eintracht Hannover) scheiterte deutlich an der angestrebten Norm für die U20-DM und wurde Zweiter hinter Simon Zienert (Dresdener SC), der als Sieger mit 7,01 Metern einen guten halben Meter hinter seiner Bestmarke blieb. Bei den Männern waren die beiden Ex-Göttinger Florian Rieker (LC Paderborn)und Jan Brunken (TSG 1862 Weinheim) vorn, Letzterer jedoch auch einen halben Meter hinter seinem Leistungsniveau. Bei den Frauen verletzte sich die favorisierte Annika Gärtz (LV 90 Erzgebirge) beim dritten Durchgang und musste auf weitere Versuche verzichten. Auch Malina Reichert (Hamburger SV) hatte sich als U20-Siegerin sicherlich mehr als 5,77 Meter erhofft.

Aus regionaler Sicht bemerkenswert sind vor allem die schnellen 1500-m-Zeiten der U18-Jugendlichen Jonas Just (LG Osterode), Alexander Vollmer und Jana Beyer (beide LG Eichsfeld), die allesamt Normerfüllung für die Deutschen Jugendmeisterschaften in zwei Wochen in Ulm bedeuten.

Wegen der positiven Reaktionen vieler Athleten, Trainer und Betreuer haben sich die LGG-Verantwortlichen vorgenommen, trotz ungünstiger terminlicher Voraussetzungen auch 2018 wieder einen national ausgeschriebenen Wettkampf im Jahnstadion auszurichten, dann vermutlich aber erst am Wochenende nach Ferienende.